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Acromyrmex octospinosus: Gefahr in Deutschland

Kahlfraß durch tropische Ameisen

- VON ALEXANDRA KLAUS

Ursprünglich: http://www.ksta.de/html/artikel/1154434412791.shtml

Köln - Die Wildrosen waren als Erste dran. Fein säuberlich waren die Blätter vom äußeren Rand her abgesäbelt. Karl Ditz musste nicht warten, bis auch die Fuchsien und der Hibiskus in seinem Garten kahlgefressen waren, um die für den Schaden verantwortlichen Übeltäter zu entdecken: Schon bald sah der pensionierte Landschaftsgärtnermeister regelrechte Straßen ungewöhnlich großer, kräftiger Ameisen durch seine Grünanlage ziehen. „Es waren schwarze Karawanen, die vormittags und in den Abendstunden das abgefressene Grün und Blütenreste wegtransportierten“, erinnert sich Ditz an die Anfänge der Plage zur Osterzeit.

Zunächst versuchte Ditz, die Insekten mit herkömmlichen Mitteln zu bekämpfen. Erfolglos: „Die torkelten zwar zunächst ein wenig, liefen dann aber unbeeindruckt weiter.“ Seine Tochter Sabine Ditz, als Biologielaborantin ebenfalls an dem ungewöhnlichen Fund interessiert, ergänzt: „Die Ameisen sind sehr raffiniert: Wann immer wir Bekämpfungsmittel auslegten, suchten sie sich neue Wege.“ Der Kölner und seine Tochter begannen daraufhin, Nachforschungen anzustellen, recherchierten im Internet und brachten schließlich ein Gefäß mit den Ameisen zum Kölner Zoo. Die Experten dort waren erstaunt und bestätigten, dass es sich um Blattschneiderameisen handeln müsse, die zwar im Kölner Zoo ebenfalls gehalten werden, aber in Europa in freier Natur nicht vorkommen.

Ditz kann sich die Herkunft erklären: Ein Nachbar, dessen Haus direkt an seines angrenzt, sei schon mehrfach dadurch aufgefallen, dass er tropische Tiere halte. Zum Nachbargrundstück führten auch die Ameisenstraßen. „Im Internet werden diese Ameisen hoch gehandelt“, hat seine Tochter recherchiert. Als sich jüngst auch Anwohner umliegender Grundstücke über die Ameisen beschwerten, verständigte Ditz den Pflanzenschutzdienst der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen in Bonn.

„Wir haben sofort zwei Mitarbeiter nach Holweide geschickt, damit sie sich den Garten ansehen, und sie waren sehr bestürzt über den enormen Schaden“, bestätigt Dr. Reiner Schrage, Fachbereichsleiter Pflanzengesundheitsdienst, auf Nachfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“. Einige Exemplare seien bereits in seinem Amt bestimmt und als Blattschneiderameise „Atta cephalotes“ identifiziert worden, die in Südamerika vorkommt. Obwohl Experten der Kammer zu „99,9 Prozent“ sicher sind, sollen Fachleute des Bonner Museums Koenig den Fund nun nochmals bestimmen.

„Wir sind alarmiert, denn diese Ameisen haben in unseren Gefilden überhaupt nichts zu suchen“, sagt Schrage. Die kräftig gebaute Insektenart - Soldaten können bis zu 23 Millimeter groß werden, Königinnen bis zu 35 Millimeter - könne sich explosionsartig vermehren und riesige Kolonien von mehreren Millionen Exemplaren bilden. Der Schaden durch abgefressene Pflanzen, aber auch die Ausbreitung einer nichtheimischen Art werde von Fachleuten sehr kritisch beurteilt. Weil nicht ausgeschlossen sei, dass die Ameisen in Wohnräumen überwintern, sei inzwischen das Kölner Amt für Umwelt und Verbraucherschutz informiert worden.

Die Bekämpfung ist laut Schrage „außerordentlich schwierig“. Es müssten aber bald Maßnahmen ergriffen werden, die alle betroffenen Gärten einbeziehen - auch das Grundstück, von dem vermutet wird, dass sich dort das Nest befindet. „Wir gehen davon aus, dass die Ameisen von dem Nachbargrundstück kommen, wo sie gezüchtet worden sind“, bestätigt Schrage die Vermutung Ditz'. Schließlich führten die Ameisenstraßen dorthin. Gestützt wird diese Annahme durch die Aussage der amtlichen Tierärztin des Veterinäramtes Köln, Dr. Claudia Behlert: Sie bestätigt, dass sie bereits zweimal vor Ort war, weil der Nachbar Reptilien hielt und sie nachprüfen wollte, ob er auch damit handelte. Hinweise auf Handel habe sie nicht gefunden, aber es sei durchaus denkbar, dass die Ameisen von dort kämen.

Jedenfalls sei nahezu ausgeschlossen, dass die Insekten „zufällig“ aus Südamerika eingeschleppt worden seien. „Da hat jemand gezüchtet, und wir gehen davon aus, dass die Ameisen nicht artgerecht gehalten wurden und dem Züchter »abgehauen« sind.“ In biologischer Hinsicht seien die Ameisen sehr interessant, weshalb sie tatsächlich „Sammlerwert“ hätten. So fressen sie beispielsweise die abgeschnittenen Blätter nicht etwa, sondern häufen diese unter der Erde zu einer Art Komposthaufen. Auf diesem Haufen wächst ein Pilz, von dem sich die Ameisen ernähren. „Aber die Züchter und Sammler unterschätzen völlig, was sie für einen Schaden anrichten können“, sagt Schrage.




Tropische Ameisen werden zur Gefahr

- VON ALEXANDRA KLAUS

Ursprünglich: http://www.ksta.de/html/artikel/1154434423050.shtml

Ein Experte hält die Anpassung der Insekten an kälteres Klima für möglich und warnt vor der Ausbreitung.

Nach dem Fund von Kolonien tropischer Blattschneider-Ameisen in einem Garten in Holweide (der „Kölner Stadt-Anzeiger“ berichtete) verdichten sich die Hinweise, dass die Insekten einem Züchter abhanden gekommen sind, der im Nachbarhaus des Rentners Karl Ditz wohnt. Bislang versuchten Experten der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen vergeblich, in die Wohnung zu gelangen. Die Bewohner öffneten nicht oder verweigerten den Zutritt. „Wir müssen da rein, um die Ameisen zu bekämpfen“, sagt Dr. Reiner Schrage, Fachbereichsleiter Pflanzengesundheitsdienst der Landwirtschaftskammer.

Die Annahme, dass die Ameisen aus dem Haus mit verwahrlostem Garten kommen, stützt außer den dorthin führenden Ameisenstraßen auch ein langer Eintrag im Internetforum www.ameisenhaltung.de Sowohl die Landwirtschaftskammer als auch andere Forumsteilnehmer, die den „Kölner Stadt-Anzeiger“ informierten, schreiben diesen Eintrag dem in Holweide lebenden Rolf A. zu. Unter dem Nickname „Pruvex“ schreibt der Autor des Forumseintrags, der als Wohnort Köln angibt, am 16. Juni: „Also, ich hatte die Kolonie in einem großen Aquarium und war so mutig, sie frei laufen zu lassen, weil ich dachte, sie müssen ja bei ihrem Pilz bleiben. Irgendwann fand ich im Laufe von circa zwei Monaten mehrere Königinnen im Haus . . . leider fing ich diese nicht, sondern wollte beobachten, was passiert.“ Weiterhin schildert „Pruvex“, wie die Ameisen in einem Badezimmer, wo er Ägyptische Flughunde halte, einen neuen Staat bildeten und dann über Nacht mit ihrem Ernährungs-Pilz verschwanden. Am Ende des Eintrags bittet „Pruvex“ einigermaßen verzweifelt um Hilfe: „Ich weiß, dass das nicht die beste Idee war und weiß, dass es wahrscheinlich schwierig wird, das in den Griff zu bekommen . . . Ich suche Rat und Hilfe und nicht nach jemandem, der mir meine Fehler vorwirft, die sind mir mittlerweile selber klar.“

Nach dem Fund der Ameisenkolonie geben sich Fachleute und Medienvertreter bei Karl Ditz, dessen Gartenpflanzen teilweise kahl gefressen sind, die Klinke in die Hand. Denn die Entdeckung gilt als Sensation, weil die ungewöhnlich kräftigen tropischen Insekten in hiesigen Gefilden eigentlich nicht vorkommen. Sie können sich nach Auskunft der Landwirtschaftskammer explosionsartig vermehren, riesige Kolonien von mehreren Millionen Exemplaren bilden und enormen Schaden anrichten.

Einer der führenden deutschen Experten auf diesem Gebiet, der Zoologe Prof. Dr. Alfred Buschinger, hat jetzt die Art eindeutig als Blattschneider-Ameise der Gattung Acromyrmex bestimmt, die nur in Südamerika vorkommt. In einer Stellungnahme für die Landwirtschaftskammer NRW warnt der Experte vor einer weiteren Ausbreitung der Ameisen. Denn anders als bisher angenommen, müsse man damit rechnen, dass sich die fremde tropische Art auch an kühleres Klima anpassen und sich somit weiter ausbreiten könne. „Da in Köln über wiederholtes Auftreten geflügelter Geschlechtstiere berichtet wurde, könnten bereits weitere Kolonien gegründet worden sein“, heißt es in dem Schreiben. Der Zoologe hält eine Bekämpfung für äußerst schwierig. Buschinger empfiehlt, die Hohlräume, in denen die Ameisen nisten, zu öffnen und dort reichlich Insektizid einzusprühen.

Dies allerdings ist nicht möglich, solange die Fachleute keinen Zutritt zu der Wohnung erhalten. Nur von außen begutachteten Experten das Gelände mit dem verwilderten Garten. Schrage will nach der Inaugenscheinnahme auch dazu beitragen, dass ein generelles Tierhaltungsverbot für Rolf A., der Reptilien und Ägyptische Flughunde hält, ausgesprochen wird. Für eine Stellungnahme war Rolf A. nicht erreichbar.




English Summary by Tamandua

As far as I´ve read it in the newspaper and board sites, which A. Buschinger e-mailed me links to, the incident has developed as follows:

A pet ant owner, somewhere he is also called a breeder, from Cologne asked for help on the board of a German pet ant dealer site since he had problems with his attine ants which he had let escape from a terrarium where he had first kept them. He stated that in retrospective it was a folly but that in the first place he wanted to wait and see how the ants would develop living in his house freely. The leaf cutters have managed to establish beneath the floor and in cavaties of the walls, and, so the the owner stated, would need no leaves but instead thrive on the faeces and food rests of his fruit bats that he is keeping in a room of his house freely as well. (!)

The officials from the Agricultural Service of the State NRW were informed when a retired gardener found large unusual ants in his garden starting to cut down his plants (somewhere it says that such damage to plants had been noticed in 2005 already) and brought the ants to the local zoo where they were recognized as leafcutters.

Then an offical from the Dept. of Plant Health of the Agricultural Service contacted A. Buschinger for further identification and advice. A. Buschinger identified the Attini as Acromyrmex octospinosus or at least as belonging to a possible species complex around this valid name.

It is reported that the owner of the suspicious estate adjacent to the garden where the leafcutters were found, so far has not allowed the officials to enter his house. The estate owner is under suspicion to be identical with the pet ant owner mentioned above who has deleted his confessing entries and pictures on the i-net board in the meantime.

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Web Site Author: A. Sunjian
Site Created 2003.10.11
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